Heidis Geschichte – unser Notfällchen

Es war im Februar 2013, im Tierheim klingelt das Telefon. Am Apparat eine Frau Maier aus Siegenburg. In
hastigen Worten erzählt sie,sie habe zuviel Hunde, der Amtstierarzt macht Druck , ob wir was nehmen
könnten. Wir sagen zu ,fahren zu Frau Meier mit Hundefutter im Gepäck. Ein riesiger vier Seiten Hof,rein
gelassen werden wir nicht. Wir reichen die Boxen rein und bekommen sie gefüllt mit einen tauben Beagle
und einer Cockerhündin zurück. Über das Futter freut sie sich sehr. Auch andere Tierheime schieben ihre
Boxen durch die Tür. Leise lässt der Amtstierarzt verlauten 74 Hunde leben hier, auf dem Hof ist kein
einziger zu sehen. Schon damals für mich erstaunlich, jeder Hund hatte einen Namen und sie hatten
Vertrauen zu ihr, dieser Frau Meier die die ganze Zeit schimpfte wie ein Rohrspatz.
Wir nehmen ihr ihre Hunde, sie sollte nur 40 behalten.
Im Januar 2014 , nicht einmal ein Jahr später kam wieder ein Anruf,Frau Meier musste wieder was abgeben. Sie
schien sich nur bei uns gemeldet zu haben, schon am Telefon sagte sie etwas von 8 kleinen Hunden. Also
wie letztes Mal Futter und Boxen ins Auto und los. Der Empfang war freundlich, wir durften aufs
Grundstück und in die Stallungen , die voller Hunde waren. War es ein Test ich weis es nicht, sie bot uns
bissige Hunde an wir nahmen sie. Jeder hatte wieder seinen Namen. Das mitgebrachte Hundefutter brachte
mir meinen Spitznamen ein. Ab sofort nannte sie mich Mäuschen.Die Schleuse öffnete sich und sie erzählte
wie Rassehundzüchter immer wieder ausgediente Zucht Hunde zu ihr brachten ,sie kann einfach nicht nein sagen.
Die Tiere kannten weder Halsband noch Leine haben nur in Stallungen geiebt.
Weder geimpft noch tierärztlich versorgt kamen sie zu ihr, Yorkys, Westis,
Cockerspaniel,Beagle,Malteser,Jack Russel,usw. Die meisten alt. Auf die Frage woher, sagte sie nur von vorwiegend
Österreichischen Züchtern. Zum Ausfüllen des Übereignungsvertrages holte sie uns dann ins Haus, hinter
'jeder Tür bellte es und Türen gab es viele. Sie lies uns im Flur warten wo auch 3 Hunde liefen. Hundeboxen
standen unter der Treppe die in den ersten Stock führte. Oben war die Treppe mit einem Gitter gesichert wo
auch Hunde ihre Nasen neugierig durch die Maschen schoben und bellten. Meine Kollegin rief Ricarda ein Buchling,
er hatte gerade von hinten an meiner Hose geschnuppert und wie ich mich umdrehte verschwand er schnell
in einer der Boxen. Sollte hier sogar ein Entlebucher hausen, mein Herz machte einen Sprung. Sofort fragte ich Frau Meier nach dem Entlebucher und zeigte ihr Fotos meiner Hunde Pangi und Aaron. Sie gibt die Hündin nicht her sagt sie, hat sie hochgepäppelt, kam gelähmt von der
Züchterin und hat bei ihr wieder laufen gelernt. Natürlich akzeptiere ich das ,nehme ihr aber das
Versprechen ab das wenn sie sie mal her geben muss ,sie mir Bescheid sagt. Das war unser Heidi und mein erstes kurzes Treffen.
Zwei Monate später, wieder Frau Meier. Wieder haben wir ihr Hunde abgenommen.
Noch einmal sieben kamen zu uns. Langsam wurden wir Profis im Umgang mit ängstlichen ,nicht an
Menschen gewöhnten Hunden.  Mit viel Geduld lernten sie Vertrauen zum Menschen,an der Leine zu gehen, sich
bürsten und streicheln zu lassen. Unter ihres Gleichen waren sie aufgeschlossen und verträglich. Da allesamt
Rassehunde sind ,waren sie gut zu vermitteln. Nur zwei Hunde hatten nicht so großes Glück. Ein Pudel
Namens Sascha hatte schon sein neues zu Hause, aber er war immer noch ängstlich. Eines Tages war er
durch die offene Tür auf und davon, er ist überfahren worden. Amanda die Cockerhündin eine der ersten
Siegenburghunde, ist aus dem Halsband geschlüpft und nie wieder gefunden worden.
Es sind noch nicht alle 17 Hunde vermittelt, da kommt mal wieder ein Amtstierarzt Aufruf an alle
Tierheime der Umgebung. " Notfall im Hause Meier" der Mann ist im Krankenhaus sie hat ca. 80 Hunde es
soll alles bis auf 10 ausgeräumt werden.Eines soll noch gesagt sein es war nie Blitz sauber aber auch nicht
so dreckig das man diese Menge von Hunden und anderen Tieren vermuten könnte.
Am 28.05.14 fahren wir mit Futter und Boxen mal wieder nach Siegenburg. Die Tierheime Regensburg und
Reisbach sind schon kräftig am Aussuchen und Einpacken. Frau Meier begrüßt mich mit "Hallo Mäuschen"
natürlich vorm Amtstierarzt und den Tierheimleitern. Am liebsten wäre ich im Boden versunken.
Uwe ,der diesmal mit war,hat nur gelacht.
Es gab eine große Fangaktion, denn wie gesagt alle Hunde kannten kaum Kontakt zum Menschen.
Regensburg und Reisbach fuhren voll beladen davon und jetzt waren wir dran. Die ganze Zeit ging mir der
Buchling nicht aus dem Kopf und richtig sie hatte ihn für mich aufgehoben.Schon beim fangen sagte sie mir:
"das ist Aika, sie schläft immer zusammen in der Box mit Kiara einer blinden Mischlingshündin". Die
Beiden bekommst du nur zusammen. So war es dann auch. Außerdem kamen noch zwei Cocker, vier
Yorkys, drei Pudel und zwei Chihuahua mit. Frau Meier sagte noch ängstlich oh je wenn mein Mann aus
dem Krankenhaus kommt bringt er mich um.
Die Amtstierarzte waren zufrieden, auf die Nachfrage wie sie denn in Zukunft das Problem Regeln wollen
gab es nur ein Schulterzucken.
Angekommen wurden alle Hunde
in die Zwinger gebracht nur Heidi (ehem.Aika) lies ich im Gelände laufen, ein Fehler. Kiara die blinde
Hündin bekam einen Rüden zur Gesellschaft. Heidi lief wie panisch im Trab kopflos durchs Tierheim, von
Pangi und Aaron nahm sie keine Notiz.
Ich musste sie regelrecht einfangen. Trotzdem nahm ich sie die Nacht mit zu mir rauf. Es war eine
schlaflose Nacht ,Heidi lief unentwegt Kreise durch die ganze Wohnung.Sie hat sicher etliche Kilometer
zurück gelegt. Tagsüber war sie im Zwinger bei Kiara und sie war glücklich.
Sie war wie alle ein Tierheimhund nur das ich sie zu unseren Gassirunden mit nahm. Panisch mit hoch
erhobenen Kopf lief sie in immer wieder kehrenden Kreisen durch die Natur. Unkoordiniert und mit
schlechter Motorik rempelt sie laufend Aaron und Pangi an. Beide sind unglaublich tolerant und strahlen
Ruhe aus. Nachts darf sie wieder mit zu uns. Die zweite Nacht war gut, sie kam zur Ruhe. Aber am Morgen
lief sie voller Freude Richtung Zwinger zu Kiara. Die Tage gingen genau so ins Land , Tags bei Kiara,
Nachts bei uns und die gemeinsamen Gassirunden. Mein Urlaub stand ins Haus und damit die lange
Autofahrt.
Für mich war klar wenn Heidi nach meinem Urlaub nicht vermittelt ist, gehört sie zu uns.
So wars dann auch, Heidi war noch da und ihre Freundin Kiara hatte Interessenten.
Kiara zog aus und Heidi endgültig bei uns ein. Es dauerte noch 5 Wochen bis Heidi Morgens nicht mehr Richtung
Zwinger lief.
Sie legte langsam immer längere Strecken mit uns zurtick, auf einmal entdeckte sie die Welt der Gerüche
und steckte ihre Nase immer genau dahin wo Aaron gerade zu Gange war. Als sie sich das erste Mal wälzte
war ich total begeistert und Heidi vor sich selber erschrocken. Natürlich kam auch irgendwann der
verfressene Entlebucher durch und das erste Schwanzwedeln beim Anblick eines Kauknochens nach 
ca.4 Monaten. Auch die dritte Gangart lernt sie erst in dieser Zeit,Heidi im Galopp linkisch und unbeholfen
aber es geht. Nun hat sie 8 Kilo abgenommen und wird immer lebendiger. Als sie das erste Mal bellt konnte
ich es kaum glauben, es war im November, sie hörte sich an wie eine rostige Trompete.Nach meinem großen Urlaub begrüßt mich Heidi das erste Mal mit wedelndem Schwanz und voller Freude
mir standen die Tränen in den Augen. Jetzt Jagd sie Morgens im Galopp über den Hof und lässt die rostige
Trompete erklingen immer im Schlepptau von Aaron.
Die beiden Buchlinge haben ihr geholfen den Weg in ein normales Hundeleben zu finden.
Nach fast zwei Wochen üben hat sie "Sitz "gelernt.
Es war sehr schwer für sie Handzeichen und Körperbewegung zu verbinden. Aber sie hat es geschafft. Sie
braucht einen geregelten Tagesablauf, dann fühlt sie sich sicher und fordert durch Anschupsen mit der Nase
auch schon mal Futter. Das Drehen bei Aufregung wird wohl nie ganz verschwinden,zu lang hat sie eingesperrt gelebt.
Gestern kam Daniela auf den Parkplatz und Heidi rennt bellend zum Zaun. Mal sehen was
noch zum Vorschein kommt von ihrem Wesen. Es ist wunderbar das zu erleben .
Eins hat Heidi nun auch bei uns eingeführt, das Schlafen mit Körperkontakt.
Sie kuschelt sich einfach an Aaron oder Pangi ran, anfangs waren sie verunsichert und jetzt wird fast nur
noch gekuschelt in Buchlingkreisen.
Ganze 4,5 Jahre durften wir mit dieser wunderbaren Persönlichkeit leben.